rechtschreibtraining

Mit dem „10-Minuten-Rechtschreibtraining“ zu einer Verringerung der Fehler?

Rechtschreibtraining im Praxistest

Es gibt viele Rechtschreibtrainings auf dem Markt. Viele versprechen in kürzester Zeit Erfolge und eine Abnahme der Fehler in der Rechtschreibung. Stimmt das auch oder stecken nur leere Versprechungen dahinter?

Machen wir den Test mit dem „10-Minuten-Rechtschreibtraining“* von Gero Tacke. Ich habe mir das Buch vor einiger Zeit auf Empfehlung gekauft und habe es seitdem mit etlichen Kindern und Jugendlichen ab der 3. Klasse in meiner Praxis für Lernstörungen ausprobiert.

Schauen wir uns meine Erfahrungen gemeinsam an.

Inhaltsverzeichnis

  1. Was verspricht das Rechtschreibtraining?
  2. Jede Regel hat eine Ausnahme!
  3. Konzentration auf das Wesentliche
  4. Stolperstein Nummer 2
  5. Exkurs: Spielerischer Zugang zur Rechtschreibung
  6. Rechtscheibkartei
  7. Fazit

Was verspricht das Rechtschreibtraining?

Der Autor verspricht, dass „mithilfe dieses Bandes sich die Rechtschreibkompetenz der Schüler in kürzester Zeit verbessert. Ein großer Teil aller Rechtschreibfehler entfällt auf nur 100 Wörter. Diese werden – zusammen mit ihren Wortfamilien – eingeübt und systematisch wiederholt. Die Schüler trainieren besonders intensiv die Groß- und Kleinschreibung als häufigste Fehlerquelle. In kurzen Übungseinheiten werden mit einfachen Regeln die wichtigsten Rechtschreibprobleme effektiv bekämpft.“

Zuerst beschäftigt sich das Buch mit der Großschreibung. Dazu gibt es 15 Arbeitsblätter mit Erklärungen, wann ein Wort groß- bzw. kleingeschrieben wird. Die Selbstkontrolle der Fehler läuft über die Artikel bzw. Begleiter „der, die und das“.

Wenn wir „der, die oder das“ vor das Wort stellen können, wird es groß geschrieben. Klingt einfach. Am Anfang hilft diese Regel vielen Kindern und Jugendlichen und dadurch können schon einige Fehler vermieden werden.

Stolperstein Nummer 1: Jede Regel hat eine Ausnahme!

In der deutschen Sprache gibt es bei „der, die und das“ auch einige Ausnahmen. Nicht nach jedem Artikel kommt ein Namenwort bzw. Substantiv. Was ist mit substantivierten Adjektiven und Verben? Wir schreiben „das Lachen“, „das Laufen“, „der Schöne“ und „die Lustige“. Dabei werden Adjektive und Verben zu „Substantiven“ und müssen dementsprechend groß geschrieben werden. Der Autor gibt in diesem Buch keine weiteren Erklärungen dazu und lässt diese Ausnahmeregel außen vor. Das ist für die 3. Klasse noch nicht besonders wichtig. In höheren Klassen wird diese Regel aber zu einem Stolperstein, wenn sie nicht richtig verinnerlicht wurde.

Ich arbeite vor allem mit Kindern und Jugendlichen, welche eine Lese- und Rechtschreibstörung haben. Je mehr Regeln sie anwenden müssen, desto schwieriger und verwirrender wird es für sie. Wir möchten Fehler reduzieren und nicht weitere Fehler produzieren. Warum müssen wir also wissen, was wir groß- UND kleinschreiben müssen? Lenkt die Schülerin und der Schüler die Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Großschreibung, haben sich deutliche Erfolge und Steigerung der Rechtschreibkompetenz gezeigt.

Konzentration auf das Wesentliche

Im Grunde ist es einfach: wir schreiben in der deutschen Sprache alles klein! Es gibt nur 3 Ausnahmefälle!

  1. Satzanfang
  2. Namenwort
  3. Substantivierte Wortarten

Stolperstein Nummer 2

Haben Kinder und Jugendliche die Regel mit dem Begleiter „der, die und das“ verinnerlicht, steht schon die nächste Hürde vor der Tür. Sehen wir uns ein Beispiel an:

„Heute geht der kleine Hans zu seinem Opa.“

Nachdem das Buch gebetsmühlenartig wiederholt hat, dass vor einem Namenwort ein Artikel steht, werden die meisten Kinder und Jugendliche diesen Fehler machen:

„Heute geht der Kleine Hans zu seinem Opa.“

Es geht ja auch nicht anders, denn vor „Kleine“ steht der Artikel, also MUSS „Kleine“ großgeschrieben werden.

Der Autor geht zwar auf die Wortarten ein, der Fehler wird aber in den meisten Fällen gemacht. Ich verwende daher nur mehr einige Übungen aus dem Buch. Einige Aufgaben habe ich in ein kleines Spiel umgewandelt, damit die Förderstunde ein wenig aufgelockert wird.

Exkurs: Spielerischer Zugang zur Rechtschreibung

Im Buch gibt es Übungen, bei denen alle Wörter kleingeschrieben sind. Die Aufgabe des Kindes bzw. Jugendlichen ist es nun herauszufinden, welche Wörter großgeschrieben werden und warum. Danach werden die Sätze richtig ins Heft geschrieben. Das ist eine schöne Aufgabe, aber nach dem dritten Mal jammern die Kinder bereits, dass sie keine Lust dazu haben. Ein spielerischer Zugang ist gefragt.

Ich habe mir die Sätze einzeln auf ein Blatt kopiert. Das Blatt lege ich nun zwischen das Kind und mich und dabei steht noch ein Buzzer* oder eine Tischglocke* in der Mitte des Tisches. Zuerst wird der Satz laut vorgelesen. Danach muss so schnell wie möglich gezählt werden, wie viele Wörter in dem Satz großgeschrieben werden. Wer zuerst den Buzzer oder die Tischglocke betätigt und die richtige Antwort gibt, bekommt einen Punkt. Gewonnen hat, wer am Ende der Übung die meisten Punkte hat. Jeder Satz wird zusätzlich noch richtig ins Heft geschrieben. Seitdem gibt es bei diesen Übungen kein Jammern mehr.

Rechtschreibkartei

Gut finde ich die Liste mit den 100 häufigsten Fehlerwörtern. Diese können als Rechtschreibkartei verwendet werden. Dem Kind bzw. Jugendlichen werden die Wörter der Reihe nach diktiert. Wird das Wort beim ersten Mal richtig geschrieben, gibt es ein Plus. Bei einem Fehler wird ein Minus eingetragen. Das Wort kann erst aus dem Stapel genommen werden, wenn es dreimal ein Pluszeichen in Folge hat. Die Anzahl reduziet sich mit der Zeit und die Kinder und Jugendlichen können stabile Wortbilder in ihrem Gedächtnis aufbauen.

Fazit

Von einem Rechtschreibtraining erwarte ich mir, dass es alle Schülerinnen und Schüler abholt. Wir dürfen nicht vergessen, dass zwischen 4% bis 7% der Kinder und Jugendlichen im deutschsprachigen Raum an einer Lese-/Rechtschreibstörung leiden. Sie benötigen zusätzliche Hilfestellungen, einfache und klare Regeln.

Für Kinder und Jugendliche ohne größeren Schwierigkeiten ist das „10-Minuten-Rechtschreibtraining„* eine gute Alternative, besonders wegen der Rechtschreibkartei. Für Kinder und Jugendlichen mit Problemen im Lesen und Schreiben sind einige Übungen brauchbar ohne zu sehr auf die „Der-die-das“-Regel einzugehen.

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